Papillon (Schmetterling) ist der Titel eines der bekanntesten Lieder der Band. Wer hätte gedacht, dass sich sechs Jahre später das Anfang Oktober erschienene Album In Dream perfekt mit einer Schmetterlings-Metapher beschreiben lässt? Jedes Lied auf diesem Album fühlt sich an, als würde man einen Falter betrachten, der langsam aus seinem Kokon austritt. Alsbald hat er sich befreit, schlägt mit seinen Flügeln und hebt leicht und grazil in die Lüfte ab. Und entfacht genau dort einen Wirbelsturm.

Oft fängt es kleiner, ruhiger an. Es baut sich auf und dann kommt eben jener Wirbelsturm, der den Zuhörer umhaut und nach einer gewissen Zeit wünschen lässt, dass die Platte nicht aufhören soll.

Die Stimme von Sänger Tom Smith ist wohl das signifikanteste Merkmal am allgemeinen Sound der Band. Sie ist unverwechselbar und sobald er den Mund aufmacht, besteht kein Zweifel: „Ja, es sind die Editors“. Der gelungene Klangteppich der Band löst auch auf diesem Album immer wieder aufs Neue das Verlangen aus, dass man sich am liebsten reinknien würde – damit dieser wie in 1001 Nacht abhebt und einen in ungeahnte Höhen befördert.

Salvation ist das beste Beispiel, denn es beginnt kleiner, mit Violinen und der markanten Stimme von Smith. Schon kommt der Refrain und plötzlich ist es richtig groß und pathosgeschwängert. Doch man kann auch anders, denn auf z.B. Ocean Of Night klingen Übergang und Refrain zunehmend heiter und veträumt. Dieses Album lebt von den neuen musikalischen Ideen, da es sich klanglich zwischen Editors-typischem Stadionrock und neu dazugemischter Träumerei befindet.

Das beste Beispiel dafür ist The Law, denn der Track beginnt minimaler und beinhaltet eben jene Verträumtheit wie ein Lied aus dem Genre Shoegaze. Zudem hat man sich einen Star aus diesem Genre dafür ins Studio geholt: Rachel Goswell, Sängerin der britischen Shoegaze-Band Slowdive. Ihr Gesang passt hier unerwartet gut zu Smiths Stimme und gegen Ende baut es sich zu einem pathetischen Riesending auf, das einen in den Bann zieht. Our Love und viele andere Lieder funktionieren ganz ähnlich und das verleiht dem Album seine Homogenität.

Dem Album wird oft vorgeworfen, nicht mehr dem typischen Klang der Band gerecht zu werden. Doch auch die kleineren und intimeren Momente sind meiner Meinung nach genauso stadiontauglich wie die größeren, wenn man es nur richtig miteinander kombiniert. Dies ist auf dem Album definitiv der Fall. Man muss sich aber zuerst darauf einlassen und dies ist eine der wenigen Schwächen des Albums: Es zündet nicht auf Anhieb und benötigt mehrere Anläufe, bis man auch solche Lieder, die an einem vorbeziehen, zu lieben lernt. Mit anderen Worten: Es ist das bisher schwierigste Album der Band, aber auch sehr belohnend. Wer leicht zu verdauenden Rock erwartet, wird enttäuscht sein.

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