Coldplay – A Head Full Of Dreams (VÖ 04.12.2015)

Merkwürdig. Eigentlich bringen Coldplay ihre Alben in einem Abstand von drei Jahren heraus und nun erscheint eineinhalb Jahre nach Ghost Stories das neue Album der Briten. Dies soll kein „Früher war alles besser!“-Verriss werden. Es wird sich aber so lesen.

Schon im gleichnamigen Lied A Head Full of Dreams erkennt man den typischen Sound nicht mehr wieder, es klingt tanzbar, es klingt falsch, es klingt nicht mehr nach Coldplay. Ich finde es immer gut, wenn sich eine Band oder ein Künstler musikalisch weiterentwickelt, es sollte dann aber gut klingen. Und das ist hier nicht der Fall, denn sie können zwar Pop, hier ist es aber pure Langeweile. Das Verhältnis von Gesamtanzahl der Lieder (11, eher 10) zur Anzahl der gelungenen Lieder (Eins, wenn ich beide Augen ganz fest zudrücke, zwei) bestätigt meine Furcht: Sie distanzieren sich von dem, was sie gut können. Als Hörer bekomme ich das Gefühl, dass die Band, wie ich sie kenne, mir entgleitet. Mit wenigen Liedern kann ich mich etwas anfreunden, z.B. hat Army Of One mein Interesse geweckt. Für mich sticht es aus der Masse der Langeweile heraus, es ist ein Stück Treibholz, an das ich mich nach dieser Katastrophe, ja, diesem Schiffbruch, festhalte.

Leider bleibt sehr wenig im Ohr hängen, die Lieder plätschern nur so vor sich hin und selten ist mal etwas für einen potenziellen Ohrwurm geeignet – so wie z.B. die Melodie des vorab veröffentlichten Adventure Of A Lifetime. Und eben dieses Lied zeigt, dass die Jungs es doch eigentlich können, denn sie besinnen sich in diesem Fall auf ihre eigenen Pop-Tugenden vom 2011 erschienen Album Mylo Xyloto, auf dem die Gruppe ihren damals neuen Sound  perfekt präsentierte. Nach einigen Liedern frage ich mich dann, wieso die Band versucht, ihren eigenen Sound noch einmal warm zu machen anstatt einen neuen zu erarbeiten. Die wenigen Lieder, die aus diesem Album herausstechen könnten auch auf B-Seiten von 2011 sein. Das ist kein Fortschritt, sondern eher feige und hört sich nach Resteverwertung an.

Everglow ist wahnsinnig schlecht. Es läuft keine Minute, da wünscht man sich schon, dass es auf den Punkt kommt. Passiert aber leider nicht. Chris Martins Gesang ist so uninteressant und langweilig wie noch nie. Viele Lieder zünden nicht richtig und kommen eher harmlos daher. Colour Spectrum ist leider wieder ein einminütiger Lückenfüller, dass man Barack Obama im Hintergrund hören kann (was soll das überhaupt?!) macht es nicht besser.

Die Romantik, die man von Alben wie A Rush Of Blood To The Head kennt, ist kaum spürbar. Ich asoziiere die Musik der Band oft mit Winter, Kaminfeuer und einer warmen Milch mit Honig. A Head Full Of Dreams fühlt sich für mich an, als wäre die winterliche Wunderwelt eine kaputte Schneekugel im Sommer. Milch mit Honig wird hier zu Sangria mit Strohhalm, die Romantik ist hinüber.

Die Band ist dieses Mal am eigenen Pop gescheitert, man erwartet ein Coldplay von 2015 und bekommt eines von 2011 aus der Mikrowelle. Es sind knallig-bunte Gute Laune-Beats, mit denen nicht viel anzufangen ist. Die musikalische Halbwertszeit des Albums wird nicht lang sein.

Die Band um Sänger Chris Martin produziert ihre Musik seit einiger Zeit nur nach Kalkül, es ist weniger Herz mit dabei, eher der Gedanke an das schnelle Geld. Auch nach diesem Album wird sich die Anzahl der Fans der Band nicht verkleinert haben, es wird garantiert Gold oder Platin gehen. Nur eine Fraktion der Fans wird der „neuen“ Band den Rücken kehren: Die alteingesessenen, die an die ersten drei bis vier Alben glauben. Aber man kann der Band nicht sauer sein, nicht nach den schönen Alben von damals.

Wie der Sänger bereits ankündigte, ist A Head Full Of Dreams wohl die letzte Platte. Ich hoffe, dass Mr. Martin es ernst meint.

Es ist nun an der Zeit, Abschied zu nehmen. Das tut gut.

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