BRING ME THE HORIZON – THAT’S THE SPIRIT (VÖ: 11.09.2015)

Die Band um Sänger  Oliver Sykes riskieren es, ihre alten Fans zu verprellen, denn ihr im September erschienenes Album „That’s the Spirit“ ändert den musikalischen Kurs der Band und markiert einen endgültigen Wendepunkt.

Ob es gelungen ist, einen neuen Sound für die Zukunft der Band zu finden, lest ihr hier.

Das Album beginnt unheilvoll mit „Doomed“. Synthesizer leiten das Lied ein, Sykes‘ Stimme offenbart sich dann im Refrain erst so richtig. Die Erkenntnis: Der kann ja singen! Tatsächlich hat man auf diesem Album oft auf das harte Geschrei verzichtet, war es doch auf den früheren Alben neben dem brachialen Klang das essentiellste Element für den Sound der Band. Der Sänger beherrscht das Laute dennoch genau wie das Leise, und das muss für auf diesem Album auch so sein. Auch in dem sehr auf Pop-Rock ausgelegten „Happy Song“ ist seine Stimme wunderbar wandelbar, er wechselt zwischen sanften und härteren Passagen, ohne aufgesetzt zu wirken. Der Gesang wurde also weiterentwickelt, wie beruhigend.

Anhand des zuvor erwähnten „Happy Song“ erkennt man die Idee, mit der man die Produktion des Albums hauptsächlich herangetrieben hat : Die ganze Platte ist gespickt mit Auslösern für besondere Momente auf den bald anstehenden Konzerten – dass dies mit Popsounds besser funktioniert als im Genre Deathcore, dürfte klar sein. „S-P-I-R-I-T! Spirit! Let’s hear it!” singt ein Cheerleader-Chor gleich zu Beginn, und auch der Refrain jedes anderen Lieds eignet sich perfekt zum Mitsingen. Anscheinend hat man sich hier an Thirty Seconds to Mars orientiert. Die Single-Auskopplung „Throne“ weist deutliche Parallelen zu Linkin Park auf, textlich befindet man sich mit Zeilen wie „Every scar will build my throne“ auf der sicheren Seite, sucht man einen saucoolen Spruch, der auf die neuen Band-Shirts gedruckt werden soll.

Textlich ist nichts zu beanstanden, denn die beiden Autoren geben den Hörern wie gewohnt einen Einblick in die hauptsächlich negativen Seiten ihres Lebens: Falsche Freunde, Trennungen, Abhängigkeit. Ganz normaler Alltag für die Mitglieder der Bands. Ob diese Themen authentisch und dem echten Leben entnommen sind, oder ob es sich um das Erzählen von ausgeschmückten Geschichten handelt, sei dahingestellt. Dennoch ist genau die Tatsache, dass es keine lyrischen Überraschungen gibt, der negative Aspekt, der sich auch auf den Aufbau ausschlägt: Der Band gelingt es nicht, den Aufbau der Lieder und des Albums abwechslungsreich zu gestalten. Spätestens bei „Follow You“, einem unbestreitbar schönem Lied, ahnt man doch den gesamten Ablauf der nachfolgenden Lieder. Das Album als Ganzes wirkt zu vorhersehbar und zu konstruiert. Ab und zu erinnert es an eine Smartphone-App, die den Nutzer zu jeder vollen Stunde benachrichtigt, dass man ein Glas Wasser trinken soll. Reine Routine halt.

Drown“ ist dann der Befreiungsschlag, der Chor singt kräftig mit, es wird noch emotionaler als zuvor. Und pathetisch, so wie man es auch von der zuvor erwähnten Jared-Leto-Show kennt. Trotzdem schafft man es zum ersten Mal, die Seele des Pop greifbar zu machen, es ist Popmusik im besten Sinn: Individuelle Themen und Erfahrungen durch Musik und Text so greifbar machen, dass jeder Hörer sich darin wiedererkennt. Der Text kommt jedoch so schlicht daher, dass man mühelos den Massengeschmack bedient.

Dass der Rock nicht zu kurz kommt, und der Sound ironischerweise nicht in Pathos ertrinkt, ist die Leistung der Produzenten.

Die Mission, einen neuen und sowohl poplastigen als auch rockigen Sound zu finden, ist Bring me the Horizon mit diesem Album trotz einiger Schwächen gelungen. Man hat trotz des ungewohnten Klangs des letzten Lieds „Oh No“ das Gefühl, dass es sich bei diesem Album mitnichten um die Lätta-Margerine der BMTH-Alben handelt, sondern um eine schlichtweg andere Butter, pardon, Version.

Der Spagat ist, meiner Meinung nach, gelungen. That’s the Spirit!

 

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