Es gibt Alben, auf die Ich mich schon lange freue oder nur zufällig entdecke. Und dann gibt es noch Alben, die werden mir direkt zur Veröffentlichung empfohlen – von der Musikpresse oder im Fall von „Malibu“, auch von Arbeitskollegen. Es ist immer schön, wenn Bekannte oder Kollegen ein Album empfehlen, denn man weiß, welche gemeinsamen Affinitäten man hat, dass man auf einer Wellenlänge ist.

Von Anderson.Paak habe ich noch nie gehört. Für mich also ein unbeschriebenes Blatt. Künstler sollte man nur an sich selbst messen, mit niemandem sonst. Und doch war es verdammt schwer, nicht ständig Parallelen zu Kendrick Lamars Meisterwerk To Pimp A Butterfly zu ziehen.

Der erste Track The Bird gibt gleich die Stimmung des Albums an: Leicht, sommerlich. Mit Seele.

My papa was behind them bars
We never had to want for nothing
Said all we ever need is love

Wenn Optimismus doch nur so leicht wäre!

Das doppelte Lied The Season/Carry Me fängt gleich mit dem gefühlt besten Beat aller Zeiten an. Es ist ein vertonter Sommerabend in der Hängematte oder im Auto, es weckt die Sehnsucht nach der warmen Jahreszeit, als Paak singt:

Strawberry season, my sweetheart is coming ‘round

Ich schaue aus dem Fenster. Es ist immer noch Winter.

Im zweiten Teil des Lieds beklagt er sich über den Tod seiner Mutter, und eigentlich würde Ich mich dabei traurig fühlen, wäre der Refrain nicht so catchy:

Momma can you carry me?“ singt er und man nickt dabei nur mit dem Kopf und singt mit.

Die Features sind stilsicher ausgesucht. Der Chartstürmer Schoolboy Q, der legendäre The Game und die Feature-Wunderwaffe Rapsody passen hier wie die Faust auf‘s Auge. Auch raptechnisch kann Anderson.Paak überzeugen, vom holprigen „Your Prime“ bis zum soullastigen „Room In Here“, er beherrscht Flow und Gesang gleichermaßen.

Auf „Malibu“ werden Rap und Soul vermischt und in diesem Aspekt ähnelt es To Pimp A Butterfly sehr: Zwar ist es im Gegensatz zu King Kendricks Werk kaum politisch und es ist kein Jazz vorhanden, aber musikalisch vermischen sich hier benachbarte Genres zu einer Homogenität, es ist so selbstverständlich.

Die Tracks sind kurzweilig und trotzdem hat dieses Album Längen, denn mit jener Homogenität und 16 Tracks auf einer Gesamtlänge von 61 Minuten wirkt das Album im letzten Viertel so, als würde es gar nicht mehr aufhören. Ist es vielleicht doch zu homogen geworden? Das ist es nicht. Dennoch denkt der Hörer während der letzten Tracks, dass man das alles vorher schon gehört hat, es wird leicht redundant, Paak dreht sicht nicht im Kreis, aber eiert im Oval.

Ich hatte aber lange nicht mehr so viel Spaß, ein Album rauf und runter zu hören. Es geht wirklich immer. Es ist damit zu rechnen, dass dieses Album schon als erstes musikalisches Highlight für 2016 registriert wird.

 

Eine Antwort

  1. Max
    Max

    Da hast du mich direkt überzeugt, dem Album eine Chance zu geben. Was in der aktuellen Juice stand, war für mich schon sehr überzeugend, aber gerade nach seinem großen Dre-Feature hatte ich die Befürchtung, sein Album könnte zu sehr California Love und zu wenig Aloe Blacc sein. Da ich seine Stimme sehr genial finde und sie mMn für beide Stile geeignet ist, bin ich der Meinung, dass er sich niemals ganz für eine Richtung festlegen sollte, außer für seine Richtung

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