Gorillaz – Plastic Beach (2010)

 

Es ist Juli und nun dürfte der Sommer mal allmählich (verdammt nochmal) losgehen. Für alle, die im Kopf aber schon Sommer haben, möchte ich aber schon ein Album voller Sonnenschein und Sand präsentieren. Es ist eines meiner Lieblingsalben von einer meiner Lieblingsbands: Das 2010 erschienene Album Plastic Beach der britischen Popgruppe Gorillaz bringt all das zusammen, was diese schräge Band jemals ausgemacht hat: Pop, mal angenehm und mal übertrieben und quietschig. Dabei ist der Begriff „Gruppe“ eigentlich falsch, das einzige echte Mitglied ist Damon Albarn, bekannt als Sänger der legendären BritrockerBlur. Der Rest der Band ist erfunden und besteht lediglich aus echten Musikern, wenn es einen Liveauftritt gibt. Den meisten ist diese Band bereits von 00er-Jahre-Gassenhauern wie Clint Eastwood oder Feel Good Inc. (ja, genau das eine da, das mit der tollen Bassline!) bekannt

Ein herrliches, buntes Durcheinander

Das Besondere an dieser Platte: Sehr viele Feature-Gäste. Schon zu Beginn spaziert Westcoast-Legende Snoop Dogg einfach mal eben das Lied hinein. Fast jeder Track hat einen oder mehrere Gäste, und dadurch wirkt kein Lied wie ein anderes auf dem Album. Sowieso ist es sehr heterogen und total bunt durcheinandergemischt (To Binge klingt z.B. wie ein Weihnachtsurlaub auf Hawaii). Auf diesem Album ist mal Pop, dann Rap, dann etwas orchestrale Musik und zwischendurch sogar einmal Techno (und das im Jahr 2010)!

Das mit Abstand faszinierendste Lied ist Empire Ants, ein so ruhiges Lied, das ohne eine Hängematte im Schatten nur halb so wenig Sinn ergeben würde, und setzt plötzlich der Beat ein und es wird richtig lebhaft, ohne dass die Entspannung verloren geht. Ich habe es damals im Musikunterricht vorgestellt: Beim „Wunschkonzert“ – (Schüler konnten sich ein Lied wünschen, das dann vor der Klasse abgespielt  und nachher von allen bewertet wurde) erhielt dieses Lied 27 Punkte. Minuspunkte. Was für eine frostige Klasse. Der Musiklehrer war aber überzeugt: „Bei diesem Lied kommt ja am Ende noch richtig die Wurst raus“. Kein Kommentar.

Nicht alles ist entspannend, so eignen sich z.B. Rhinestone Eyes oder Glitter Freeze auch für (Grill-)Parties. Am Strand natürlich. So macht ein Konzeptalbum doch Spaß: Indem man genau das tut, wonach es klingt. Einfach entspannen, in der Sonne liegen und die bösen Dinge einfach mal ausblenden.

…und trotzdem böse Botschaften

Thematisch ist Plastic Beach allerdings nicht so angenehm, das lassen der Titel und das Cover bereits vermuten: Eine Insel, die so aussieht, als wäre sie aus Styropor entstanden – in der Form eines Atompilzes. Es geht um die Verschmutzung des Meeres. Achtet man z.B. bei  Superfast Jellyfish auf den Text, ist es auf einmal gar nicht mehr so lustig. Man kommt gar nicht daran vorbei, sich dann Gedanken über den Sinn von Plastikverpackungen zu machen. Oder generell über den Müll im Meer. Bemerkenswert ist dabei die Zeile

„Aluminum I crush for fun, aluminum

The sea is radioactive, the sea is radioactive”.

Und dann bleibt einem das Lachen im Hals stecken. Der Beweis, dass sommerliche Musik nicht immer sorgenfrei sein muss.

Das sind ja Gorillas und keine Pandabären.

3 Responses

  1. Ares

    Wenn wir Glück haben und dieses Jahr noch eine neue Gorillaz-Platte erscheint, haben wir dafür diese Woche thematisch auf jeden Fall den Weg geebnet.

    Deine Wahl des Albums finde ich großartig! Ich denke, die werde ich mir in nächster Zeit mal wieder einverleiben. 🙂

    Genialer Künstler, geniale Band, abstrakter Stil, abgefahrene Sounds, tiefgreifende Messages. Auf mein „Album für den Sommer“ hast du mich jetzt gut eingestimmt 😉 Und vielleicht verkürzt das dann auch die Wartezeit bis zum hoffentlich bald erscheinenden neuen Projekt!

    Mit etwas Glück noch 2016, mit weniger Glück aber „noch mehr Qualität“ vielleicht 2017…

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  2. Ares

    Zu „Empire Ants“ kann ich nur sagen: Idiotenklasse. Das Album fand ich rundum genial. Empire Ants fand ich aber am besten, immer schon. Der Track ist einfach unfassbar speziell, aber ich kann genau verstehen, was du mit dem Umbruch im Song meinst. Fand ich früher schon faszinierend.

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    • Yannic Kueppers

      Danke, Ares 🙂
      Ich freue mich auch schon sehr auf das neue Album. Gut Ding will ja Weile haben…

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